„Wie eine kleine Straße ein Viertel spaltet“? Konflikt und Polarisierung im Stadtraum am Beispiel des Reallabors aqt
Über dieses Buch
Sommer 2023, im Süden Münchens: Die Kolumbusstraße wird für den Autoverkehr gesperrt und zum bundesweiten medialen Ereignis. Im Rahmen des Reallabors Autoreduzierte Quartiere für eine lebenswerte Stadt soll erprobt werden, wie urbane Mobilität unter den Bedingungen ökologischer Transformation gestaltet werden kann. Parkplätze werden entfernt, Rollrasen und Hochbeete installiert, eine Sandfläche angelegt. Doch die temporäre Umgestaltung stößt nicht nur auf Zustimmung – Zeitungen titeln: „Es herrscht sowas wie Krieg“ (SZ), Politiker:innen melden sich zu Wort, Anwohner:innen klagen vor Gericht. Medial scheint die Sache klar: Das Projekt spaltet die Bewohner:innen.
Die ethnographische Studie zeichnet anhand von Interviews, informellen Gesprächen, teilnehmenden Beobachtungen und Medienanalysen ein vielschichtigeres Bild. Zwischen alltäglicher Nutzung, medialem Diskurs und politischer Aufladung entstehen Aushandlungsprozesse über Raum und Partizipationsansprüche. Mediale und politische Narrative verdecken dabei, wie ambivalent der Umgang der Akteur:innen mit Veränderung in der alltäglichen Praxis tatsächlich ist. Im Zentrum der Forschung steht die Frage, wie sich symbolische Ordnung, Lebensstil und soziale Position im urbanen Raum überlagern und welche Wirkmacht Emotionen in dieser Dynamik entfalten.
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